Lockdown - Stillstand in den Textilfabriken

Lockdown - Stillstand in den Textilfabriken

Wie Corona die Fast Fashion – Industrie ausbremst und was das für die Menschen in den Nähereien bedeutet

Viele Fast Fashion-Unternehmen ziehen während der Corona-Krise ihre Aufträge zurück oder bezahlen nicht mehr für bereits produzierte Ware. Durch Ausgangssperren und andere Auflagen, die Covid-19 mit sich bringt, erleidet die Textilindustrie derzeit erhebliche Umsatzeinbußen - wie so viele andere Branchen auch. Doch genau an diesem Punkt gerät schnell in Vergessenheit, wer von der aktuellen Situation eigentlich noch viel, viel härter betroffen ist, als die Modelabel selbst.

Was passiert mit den Arbeiterinnen und Arbeitern in einem Land wie Bangladesch, wenn die Produktion für Fast Fashion-Brands vorübergehend eingestellt wird?  

Eine berechtigte Frage. Wie wir bereits im letzten Artikel thematisiert haben, mangelt es in dieser Hinsicht nämlich nach wie vor an Transparenz. Was hinter den Kulissen der „schnellen Mode“ passiert, erfahren wir nur, wenn wir aus eigenem Antrieb Recherche betreiben und genauer hinsehen. Medienberichte, die sich hin und wieder mit dem einen oder anderen aufgedeckten „Skandal“ befassen, haben in der Regel keinen nachhaltigen Effekt und verschwinden genauso schnell wieder von der Bildfläche, wie sie erschienen sind.

Bangladesch ist mit einem Exportanteil von über 80% einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige für die Textilindustrie, welche im Umkehrschluss tausende von Jobs für die Einwohner*innen abwirft. Ein Land, in dem die Menschen noch nie Bekanntschaft mit sozialer Absicherung  oder Arbeitnehmerrechten machen durften. Von fairen Löhnen, mit denen sie ihre Familie anständig versorgen können, mal ganz zu schweigen. Was passiert also, wenn plötzlich das gesamte Einkommen wegbricht?

Nur die Leistung zählt – nicht der Mensch

Dass die Arbeiter*innen Zuschüsse oder anderweitige Hilfen erhalten, um halbwegs unversehrt durch die Pandemie zu kommen, ist ebenso utopisch wie bezahlte Überstunden im regulären Arbeitsalltag. Was zählt ist einzig und allein ihre Leistung, während die Fabrik geöffnet hat und alle Maschinen am Laufen sind. Produktionsziel erreicht? Wunderbar! So muss es sein! Soziale Verantwortung und Wertschätzung zählen wiederum nicht zu den Punkten, die sich ein Auftraggeber oder Fabrikeigentümer auf seine To-Do-Liste schreibt. Es reicht, wenn das erwartete Pensum (ab)geliefert wird. Alles andere ist nicht von persönlichem Interesse.

Ein Problem, das auch nach Corona noch da sein wird

Natürlich wünschen wir uns, dass sich an all diesen Missständen schnell etwas ändert. Besser gestern als heute. Erinnert ihr euch an unseren Artikel zum Thema Bio-Baumwolle

„Wie so oft entscheidet also auch hier unser eigenes Konsumverhalten darüber, in welche Richtung der Markt sich weiterhin entwickelt. Die Nachfrage bestimmt das Angebot.“

Genau DAS möchten wir erreichen. Ein Bewusstsein für nachhaltigen Konsum und die Bereitschaft zum aktiven Mitgestalten unserer Umwelt. Mit einer Community, die unsere Werte teilt und für die gleichen Ziele einsteht.  

Wie hat schon Mahatma Ghandi gesagt?

"Sei du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt."

 

Quellenangaben und weiterführende Links:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/modeindustrie-die-vergessenen-der-corona-krise-a-3107caba-803a-40a9-b3bd-004db5b4ef81

https://www.textilwirtschaft.de/business/news/fabriken-geschlossen-auftraege-storniert-bangladesch-textilarbeiter-leiden-unter-druck-durch-die-corona-krise-225097