Volle Lager, keine Käufer: Warum Corona die Freude am Shopping ausbremst – und wie die Unternehmen trotzdem für Umsatz sorgen

Volle Lager, keine Käufer: Warum Corona die Freude am Shopping ausbremst – und wie die Unternehmen trotzdem für Umsatz sorgen

Bei vielen Modeunternehmen stapelt sich momentan massenhaft Ware in den Lagerräumen. Das betrifft nicht nur die Ladengeschäfte, sondern auch die Onlineshops. Viele Händler hatten ihre Bestellungen bereits zu Beginn der Krise bei den Herstellern storniert. Doch wohin mit all den Sachen, die bereits auf dem Weg waren? Wohin mit all den Kleidungsstücken, die schon geliefert, sortiert und zum Verkauf bereit lagen?

Da wir bei der Modebranche von einer bekanntlich sehr schnelllebigen Industrie sprechen, nimmt die unverkaufte Ware den aktuelleren und nachfolgenden Produktionen schließlich den Platz weg*. Im Umkehrschluss heißt das: Alles muss raus. Und bitte schnell. Aber wie, wenn gerade keiner so richtig in Shoppinglaune ist?

Konsumfrust statt Konsumlust

Die derzeitige Situation wirkt sich nicht nur auf den Alltag, sondern auch auf das bisher gängige und vor allem recht zuverlässige Konsumverhalten der Käufer*innen aus. Spätestens dann, wenn selbst der sonst so beliebte „Mid Season SALE“ (ehemals Frühjahrsschlussverkauf) kaum für Umsatz sorgt, muss man sich als Unternehmer Gedanken machen.

Was ist, wenn die Menschen gerade einfach andere Dinge brauchen als drei neue Blusen oder Hemden aus dem SALE, da sie eh die meiste Zeit zu Hause verbringen? Was ist, wenn ehemals gute Kunden in Zeiten von Kurzarbeit, Homeoffice und Stay-at-home einfach

  1. damit beschäftigt sind, ihre Finanzen beieinander zu halten oder
  2. keinen Anlass sehen, um sich ein neues Outfit zuzulegen?

Und an genau diesem Punkt kommt das überdachte, Corona-taugliche Marketing-Konzept ins Spiel. Denn wer genau hinsieht, der weiß, was just in diesem Moment gefragt ist…

„Welcher Typ bist du? Lässige Home Wear oder sportlich aktiv? Hol Dir Dein neues Outfit mit Deinem persönlichen 50% Rabatt-Code.“

Viele Händler, die über Onlineshops verfügen, setzen nun vor allem auf Artikel aus dem Bereich Home Wear und Sport/Fitness in Kombination mit extra hohen Rabatten. Warum? Weil es funktioniert! Denn obwohl der Drang nach exzessiven Shopping-Erlebnissen derzeit nicht allzu groß ist, gibt es einen Wunsch, den vermutlich jeder hat: Den Wunsch danach, sich wohlzufühlen. Bekleidung spielte als Wohlfühlfaktor schon immer eine große Rolle. Ob ganz bequem auf der Couch oder aber schwitzend auf dem Crosstrainer spielt dabei keine Rolle. Ein Bedürfnis, aus dem die Modeindustrie nun Profit schlagen möchte…

Viele Onlineshops wie Zalando etwa, starten deshalb spezielle Stay-at-Home-Kampagnen, in denen sie insbesondere Home-Wear oder Sportkleidung für die Workouts in den eigenen vier Wänden bewerben. Zalandos existierende Kunden kaufen doppelt so viele Artikel aus der Sportkategorie als im Vorjahr, verkündete das Unternehmen kürzlich.

Business Insider

Ein schlauer Schachzug, der definitiv umsatzfördernd, aber nicht ein Stück nachhaltig ist. Hauptsache es wird konsumiert. WAS ist dabei zweitrangig. Frei nach dem Motto „Es gibt immer etwas, dass die Leute brauchen – die Werbung muss es ihnen nur schmackhaft genug machen.“

Zukunftsvisionen - Modeindustrie 2.0

Natürlich versucht jedes Unternehmen sich in dieser Ausnahmesituation irgendwie über Wasser zu halten. Es geht um ausreichend Umsatz und teilweise auch um Existenzen. Dass die Möglichkeiten hierfür jedoch oft nicht fair verteilt sind, lässt sich schwer von der Hand weisen. Während beispielsweise in Bangladesch viele Einwohner ihren Job verloren oder durch stillstehende Fabriken bzw. stornierte Großaufträge keinerlei Einnahmen haben, finden die Modehändler in der Regel Mittel und Wege, um weiterhin Umsätze zu erzielen. Auch wenn die Zahlen vermutlich nicht ganz so schwarz sind wie sonst. Doch was wäre, wenn es sich in Zukunft nicht nur um einzelne Teile der Wertschöpfungskette drehen würde, sondern um alle? Was wäre, wenn nicht allein die Werbung zum Kauf animieren würde, sondern das Konzept hinter den Produkten?

Ein Konzept, das auf Werten wie Nachhaltigkeit, Naturschutz & Menschlichkeit beruht. Mode, die unter fairen Bedingungen und mit achtsamem Blick auf unsere Umwelt hergestellt wird. Keine Massenproduktion. Keine Überschussware.

Der Gedanke daran, dass wir durch bewussten Konsum Einfluss auf die Zukunft der Modeindustrie nehmen können, treibt uns jeden Tag aufs Neue an. FairWalk ist unser Herzensprojekt, mit dem wir die Welt ein kleines bisschen besser machen wollen. Gemeinsam mit Dir. Was sagst Du? Bist Du dabei?

 

Quellen/weiterführende Links

https://www.businessinsider.de/wirtschaft/handel/diese-mode-onlineshops-starten-rabattaktionen-wegen-corona/

* Siehe auch: https://fairwalk.de/blogs/magazin/fashion-on-demand